Referent:

Prof. Dr. Manfred Borutta
Pflegewissenschaftler (MScN), Dipl.-Pflegewirt, Altenpfleger

Wie kommt das Neue in die Pflegeeinrichtung – und wie gehen wir damit um?

Pflegeeinrichtungen und –dienste sind mit ständig neuen Anforderungen konfrontiert. Diese resultieren sowohl aus neuen gesetzlichen Anforderungen (z.B. im Rahmen der Landesheimgesetze/WTG etc.) als auch aus aktuellen Prüfkatalogen (Pflegetransparenzverordnung etc.) und veränderten vertraglichen Regelungen. Sich verändernden Erwartungen von Kooperationspartnern (z.B. Haus- und Fachärzte, Apotheker etc.) und Kunden stellen weitere Herausforderungen im Umgang mit „dem Neuen“ dar.

Als Beispiel sei hier auf die Anforderungen im Hinblick auf die Implementierung von Expertenstandards (§ 113 SGB XI) verwiesen. Nach einer aktuellen Untersuchung des MDK Rheinland-Pfalz sind diese in nur 50 Prozent der stationären und lediglich in 20 Prozent der ambulanten Dienste fachlich hinreichend umgesetzt.

Dabei ist nicht alles, was als Neu daher kommt, deshalb auch schon relevant für die jeweilige Pflegeeinrichtung. Und nicht alles, was bisher gut in der Routine funktioniert hat, muss in Frage gestellt werden.

  • Wie und mit welchen Kriterien können Pflegeeinrichtungen und -dienste für sich erkennen,  was zukünftig für ihr eigenes Überleben wichtig und was irrelevant ist?
  • Wie können entsprechende Relevanzstrukturen in den Einrichtungen entwickelt werden, die es sinnvoll ermöglichen, erforderliche Neuerungen von überflüssigen „Hypes“ (Medienrummel) zu unterscheiden?
  • Und wie können Pflegeinrichtungen und –dienste dafür sorgen, dass das relevante Neue als Innovation stabil in eine veränderte Routine übergeht?

Die viertägige Weiterbildungsreihe liefert Antworten auf diese Fragen. Sie basiert auf einem mit EU-Mitteln geförderten Projekt, im Rahmen dessen leitende Mitarbeiter/innen von Krankenhäusern, ambulante Pflegedienste und Altenheime Mitarbeiter/innen zu Innovationsmanager/innen nach wissenschaftlich anerkannten Standards erfolgreich qualifiziert wurden.

Zielgruppe: Heimleitungen, Leitungen von ambulanten Diensten, Pflegedienstleitungen, Qualitätsmanager/innen und –beauftragte, Wohnbereichleitungen

Die Weiterbildung besteht aus vier Modulen (je 8 Ustd.), die konsekutiv (auf einander aufbauend) angelegt sind:

1. Ebene:
Modul 1: Wie kommt das Neue in die Einrichtung? (8 Ustd.)

  • Grundlagen eines praktischen Innovations- und Wissensmanagement
  • Innovation als Anstoß für zielgerichtete Veränderungen in Pflegeeinrichtungen und -dienste
  • Erkennen und Benennen von Innovationserfordernissen:
    • Was müssen wir wann ändern?
    • Was können wir wie lange beibehalten?
  • Entwicklung innovativer Relevanzindikatoren und Relevanzmuster

Im ersten Modul geht es speziell um die Grundlagen eines praktisch orientierten Innovations- und Wissensmanagement. Wie können Einrichtungen lernen, mit sich ständig verändernden Umweltanforderungen so umzugehen, dass weder Überforderung noch das schädliche Unterlaufen von gesetzlichen und vertraglichen Anforderungen die Existenz der Einrichtung gefährden? Hierzu sollen anhand konkreter praktischer entsprechende Fälle aus den Einrichtungen entsprechende Relevanzindikatoren induktiv entwickelt werden. Diese werden dann zu einem Relevanzmuster entwickelt, mit dem zukünftig eine Unterscheidung zwischen bedeutsamen und weniger bedeutsamen Strategien möglich ist.

 

Modul 2: Instrumente des Innovations- und Wissensmanagement (nach H. Roehl und H. Willke) (8 Ustd.)

  • Instrumente, die sich auf die Infrastruktur der jeweiligen Pflegeeinrichtungen beziehen:
    • Wissensräume und Organzational-memory-Systeme 
    • Kompetenznetzwerke und –zentren 
    • Expertensysteme / ‚Gelbe Seiten’
  • Kommunikations- und problemslösungsorientierte Instrumente:
    • Eigendiagnostische VerfahrenPraxisrelevante
    • Kommunikationsforen (Communities of practice)  entwickeln
  • Personen- und arbeitsbezogene Instrumente:
    • Skill-labs als handlungsorientierte Trainings
    • Boundary-role-person-Ansatz („Legitimierte Grenzüberschreitung“)
    • Projektorganisation etc.

Im 2. Modul werden konkrete Instrumente des Innovations- und Wissensmanagement vorgestellt. Diese werden praxisorientiert anhand von Fallbeispielen aus den Einrichtungen, die die Teilnehmer/innen mitbringen auf ihre Passung und Tauglichkeit hin getestet werden. Die Teilnehmer/innen lernen so unterschiedliche Instrumente kennen und können diese in ihren Diensten und Einrichtungen passend anwenden.

2. Ebene:
Modul 3: Operative Wissensgenerierung in Pflegeeinrichtungen, Teil 1 (8 Ustd.)

  • Wissensbeschaffung und Fallorientierung
    • Evidence based nursing und Leitlinienorientierung in der Pflege
    • Methodische, EDV-gestützte Literaturrecherche
  • Implementierung von Expertenstandards
  • Fachgerechte und vertragskonforme Umsetzung der Prüfanforderungen aus der Pflegetransparenzverordnung

Modul 4: Operative Wissensgenerierung in Pflegeeinrichtungen, Teil 2 (8 Ustd.)

  • Gesetzliche und vertragliche Anforderungen in der Einrichtung umsetzen
    • Bewährtes aufrecht erhalten
    • Neues passend einbauen
  • Vertragskonforme Erfüllung von MDK-Anforderungen und heimrechtlichen Vorgaben
  • Evidenzbasierte Lösungen vor dem Hintergrund konkreten Problemstellungen anwenden
  • Passgenauer Einsatz von Assessments und Einschätzungsinstrumenten

Im 3. und 4. Modul werden die im 1. und 2. Modul bereits erlernten Grundlagen und Instrumente zur Generierung von evidenzbasiertem Wissen und Fallverstehen genutzt. Die geschieht am Beispiel der Implementierung von Expertenstandards und an weiteren konkreten Fallbeispielen aus der Praxis der Teilnehmer/innen. Hierbei geht es vor allem um die Gestaltung einer sinnvollen Unterscheidung zwischen

  • dem Rückgriff auf bereits etablierte und funktionierende Routinen
    und
  • der Entwicklung neuer Routinen zur Gewährleistung und Erfüllung vertragskonformer Anforderungen.

Hierbei stehen vor allem die Anforderungen aus der Pflegetransparenzverordnung und den heimrechtlichen Vorgaben der Länder im Vordergrund.

 
Prof. Dr. Manfred Borutta • Oberforstbacher Str. 69 D • 52076 Aachen
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